Montag, 23. April 2012

Baile Átha Cliath, Éire

Huhu, oh mein Gott, ich hatte so eine schöne Zeit in Dublin und damit ich auch ja nichts auslasse, schreib ich euch alles ganz genau auf ;)

Tag 1
Um 6 Uhr in der Früh hieß es für mich am Donnerstag Morgen aufstehen. Die letzten Sachen wurden gepackt, rasch gefrühstückt und dann gings mit dem Zug nach Gatwick Airport. Der Flug war recht angenehm und wir landeten 15 Minuten zu früh in Dublin, Irland. Da ich nur Handgepäck dabei hatte, stand ich auch sehr schnell draußen vorm Flughafen und während ich mich zu der Bushalte Stelle der Nummer 16A durchgefragt habe, wurde mir langsam bewusst, dass ich tatsächlich in Irland bin. Das erste mal in meinem Leben. (Hach, es ist doch immer aufregend Fuß auf unbekanntes Land zu setzen ... auch wenn die meisten Länder auf den ersten Blick ziemlich ähnlich aussehen ;) ) Ich fand also meinen Bus, hab mit der Ticketmaschine gerungen bis ich endlich mein Ticket hatte und dann kam auch gleich der Bus. Das doofe in den Dubliner Bussen ist nur, dass sie dir nie die Haltestellen ansagen. Du weißt also nie wo du bist. Ich wusste, dass ich an O'Connel Street aussteigen musste und ich wusste auch, dass es die größte Straße Dublins ist - aber trotzdem, wenn man diese Straße vorher noch nie gesehen hat, woher soll man dann wissen welche es ist? Ich saß also etwas unwohl im Bus, hab mit mir gerungen und mich schließlich dazu gebracht ein russischen Paar, das vor mir saß, zu fragen, ob sie mir bescheid sagen können, wenn wir an O'Connel Street sind. Letztendlich wurde die Haltestelle sogar vom Busfahrer angesagt, weil es eben das City centre war und der Bus von Flughafen kam. Ich also an O'Connel St raus und das erste was ich sehe ist der Spire. Ein schlanker, metallener hoch in den Himmel ragender, spitzzulaufender Turm.
Der Spire
Von O'Connel St bin ich in die Talbot St und dann immer weiter bis ich in der Hyacinth St ankam. Nun muss ich hier wohl eine kleine Erklärung einwerfen: Der Grund, weswegen ich diesen kleinen Dublinurlaub gemacht habe ist, dass Hannah mit einem ihrer Jungs nach Dublin geflogen ist um die Großeltern zu besuchen. Da wir beide eh irgendwann nach Dublin wollten, war das die perfekte Gelegenheit. Ich habe meine Gastfamilie gefragt, ob ich den Donnerstag frei bekommen könnte, weil sonst würde es sich von den Kosten her nicht lohnen, wenn ich erst am Donnerstag Abend geflogen wäre. Das einzige Problem war, dass ich nicht bei den Großeltern schlafen konnte, weil die kein sehr großes Haus haben. Ich wollte aber ungern was für meine Unterkunft bezahlen. Also hab ich mich fürs Couchsurfing entschlossen. Ich hatte mich auf der Seite angemeldet und ein paar Leuten geschrieben und ein schwedisches Mädchen, ihr Name ist Camilla, das zurzeit in Dublin lebt, hat sich zurückgemeldet. Sie klang super nett und so haben wir alles arangiert. Sie hat mir den schnellsten Weg vom Flughafen zur O'Connel St gesagt und mir auch mit vielen andern Dingen geholfen.
Hyacinth Street
Ich brauchte also so 20 Minuten um zu ihrem Haus zu laufen. Sie wohnt nördlich des Liffey (der Liffey ist der Fluß, der Dublin einmal in der Mitte teilt. Und es ist wirklich so, dass er die Stadt in den reichen Süden und den armen Norden trennt.) Als ich schließlich in der Straße ankam war mein erster Gedanke: Oh Gott, wo bin ich gelandet?! Es war eine heruntergekommen Gegend am North Strand, gleich neben Eisenbahnschienen und mit kleinen Häusern und grauen Straßen. Aber Camilla begrüßte mich herzlich und das Haus war auch sehr angenehm, in dem sie lebte. Es sah halt wie eine typische Wohnung aus, wo junge Leute leben und die zu den billigeren Unterkünften gehört. Camilla teilte sich das Haus mit Michael (Polen), Johnny (eigentlich Joao, aber niemand kann den Namen korrekt aussprechen, Brasilien), Thomas (Litauen) und Clare (Irland). Aber die habe ich erst alle später kennen gelernt. Zu erst habe ich nur Camilla getroffen und die hat mir auch nur das nötigste gezeigt, mir einen Schlüssel für
Das war das erste was ich von dem Viertel sah, in dem ich wohnen würde xD
die Tür gegeben und musste dann auch sofort los zu ihrer Arbeit. Ich hab meine Tasche abgestellt, mir meine Umhängetasche und was ich brauchte geschnappt und bin dann zurück zur O'Connel St, weil ich da um halb eins mit Hannah verabredet war. Hannah war zusammen mit Charlie (ihrem älteren Jungen) schon am Tag zuvor in Dublin angekommen und hat, da sie eine Freundin da hatte, die in Dublin als Au Pair arbeitet, schon alles typisch Sehenswerte gesehen. Das ist aber wirklich nicht viel und verglichen zu London nichts. Eh, ist im Vergleich zu London alles sooo viel kleiner! Ich kam mir ein wenig vor wie in Hamburg xD
Es war schon seltsam Hannah in Dublin zutreffen. Am Mittwoch Mittag hatten wir uns mit den Worten "Wir sehen uns dann Morgen in Dublin!" verabschiedet. Weird. Wir sind zuerst ein wenig den besseren Teil der Fußgängerzone entlang geschländert und ich musste erstmal was essen. Ich hatte mir für Dublin einen DK Travel Guide für Dublin gekauft (die DK Eyewitness Travel Guides sind echt empfehlenswert!) und schließlich haben wir uns überlegt einen der drei guided walk zu machen. Wir haben uns für den Walk around Christchurch entschieden. Wir haben uns also den Weg zur Parliament St gesucht, wo der Walk anfing und dann gings los. Hannah hat den Tourführer geahmt und alles erklärt (natürlich ohne es ausm Buch abzulesen! :P ), was wir gesehen haben. Haha Es war wirklich sehr lustig. Von der City Hall ging durch kleine Straßen zur Christ Church Cathedral, dann zum ältesten Pub Dublins, dem Brazen Head, danach zur
Haha Hannah gibt ihr bestes als Guid ;)
St. Audoen's Church und schließlich zum Dublin Castle (das irgendwie mehr wie ein Spielzeug Schloss aussieht nur in Großformat :P ). Dort hörte unsere Tour offiziell auf, aber Hannah und ich haben sie dann noch etwas erweitert und sind vom Schloss nach Temple Bar gegangen. Temple Bar ist DAS Pubviertel überhaupt in Dublin. Man kann es wahrscheinlich mit Soho in London vergleichen. Und der eigentliche Pub The Temple Bar sieht schon ziemlich beeindruckend aus. Von Temple Bar aus sind wir zum Trinity College und haben uns da aufm Gelände ein wenig unter die Studenten gemischt und von dort aus ging es in die Shopping Straße: Grafton Street. (Das angenehme ist, dass das alles nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegt! :) ) Dort hab ich mir bei Accessorize dann auch gleich mal nen Hut gekauft :D Am Ende der Grafton Street steht ein riesiges, wunderschönes Shoppingcentre! Da sind wir dann auch noch mal durchgeschlendert und haben uns dann erschöpft bei wunderschönem Wetter in den St. Stephen's Green gesetzt und ein wenig ausgeruht.
O'Connel Street

City Hall
Christ Church Cathedral
Der Liffey
Diese gaelische Kreuzung gab es schon vor den Vikingern!!
Dublin Castle xD
Alles wird in Irland in englisch und in gaelisch angezeigt. Selbst in den Bussen und Bahnen.
"Probably the best coffee in Dublin" hihi
Bildhübsches Shopping centre :)
Zum Abschluss unseres ersten Tages haben wir bei Burger King zu Abend gegessen xD Und dann wurde Hannah auch schon vom Großvater abgeholt und ich hab mich auf den Weg "nach Hause" gemacht. Als ich in meiner Unterkunft ankam war ich erst allein, doch dann kam Michael rein und hat sich vorgestellt und wir kamen ins Gespräch (er hat verwandte in München) und nach und nach kamen auch die anderen nach Hause, erst Thomas, dann Clare, dann Johnny und zuletzt Camilla. Sie waren alle super nett zu mir und wir hatten angenehme Gespräche. Johnny, der aus Brasilien, ist mütterlicher seits deutscher, was auch sehr interessant war. Obwohl ich so müde war, kam ich doch erst gegen Mitternacht ins Bett. (Ein sehr gemütliches Bett, nebenbei gesagt xD)

Tag 2
Für den Freitag hatte ich mich mit Hannah um 10 am St. Stephen's Green verabredet. Wir haben kurz überlegt und haben uns dann für den 90-Minütigen Walk through literary and georgian Dublin entschieden. Es ging östlich des Trinity Colleges los. Unser einziges Problem war, dass wir die meisten Schriftsteller auf deren Geburts - und Arbeitshäuser wir hingewiesen wurden, nicht kannten. Nur bei Oscar Wilde waren wir uns sicher ... und Patrick Kavanagh hat mir auch noch wage etwas gesagt. Aber es machte nichts, wir sind zwei Stunden durch Dubliner Straßen und Parks gelaufen und haben ein paar schöne Ecken gesehen. So sind wir zum Beispiel durch den Merrion Square durch, am Grand Canal (der nun wirklich nicht so GRAND ist) entlang, den Ely Place runter und wieder hoch (und haben sogar ein Blick in 8 Ely Place, das auch bekannt ist als das Ely House, erhascht, weil dort gerade etwas geliefert wurde und die Tür offen gelassen wurde. Dann gings durch den St. Stephen's Green und wir kamen am Newman House raus und schließlich durch ein paar Straßen und Gassen zurück zur Grafton Street.
Oscar Wilde am chillen im Merrion Square
Jetzt war ich mal der Guide :)
Der Grand Canal
Und wir haben tatsächlich die Bekanntschaft mit Kavanagh gemacht - das musste natürlich fotografiert werden xD
Ein typisch georgisches Haus, wie man sie überall in Dublin findet: Bunte Tür, Bogen über der Tür, die Fenster werden nach obenhin kleiner, genauso wie die Stockwerke.
Ein Pavillion im St. Stephen's Green
Um 12 haben wir uns dann mit der Freundin von Hannah getroffen, die ich schon erwähnt habe. Ihr Name ist Bente und sie war super nett. Wir haben zusammen Mittag gegessen und da Hannah um eins vom Großvater abgeholt werden würde (weil die zusammen zu Verwandten nach Kilkenny bis Samstag Abend gefahren sind), hat Bente mir super geholfen, weil ich nicht wusste, was ich alleine machen sollte. Sie hat mir das Archäologische Museum empfohlen und mich eingeladen mit ihr und einer Freundin Abends in den Pub zu gehen. Außerdem hat sie mir für den Samstag empfohlen nach Howth zu fahren, was nördlich von Dublin liegt. Ich habe dem Treffen am Abend dankend zugestimmt, denn - was wäre ein Aufenthalt in Dublin ohne einmal in den Pub zu gehen und ein Guinness zu trinken?!?
Hannah hat mich also dann um ein verlassen (:P) und Bente hat mich noch zum Museum geführt und hat sich dann verabschiedet.
Das Museum war klasse!!! Ich finde Archäologie ja eh faszinierend, aber das Museum war echt unglaublich!! Nicht nur die Ausstellungsstücke, von denen einige bis 7000 v. Chr. zurückreichen und unter anderem fünf verschiedene Moorleichen miteinschließen (sooooooo faszinierend!!! Woa, echt gruselig, dass man selbst nach über 2000 Jahren bei denen immer noch Gesichtszüge und Fingernägel und alles klar erkennt! ), sondern auch das Museumsgebäude an sich war ungemein beeindruckend. Das Museum wurde offziell im Jahr 1890 eröffnet und das Gebäude gilt als "ein vollendetes Beispiel des viktorianischen Palladianismus". Es gibt eine 19 Meter hohe Kupel und die Säulen sind alle aus irischem Marmor. Die Treppengeländer sind reich mit Motiven verziert und der Boden mit Mosaiken überzogen die an die Zivilisationen Griechenlands und Roms erinnerten. Sie Türrahmen waren aus Majolika und sahen wunderschön aus. Besonders beeindruckend war das riesige Tiermosaik in der Rotunde, der Eingangshalle. Und obwohl es verboten war, konnte ich doch nicht wiederstehen und musste ein paar Fotos machen, auch wenn es nicht unbedingt die besten geworden sind.
Die Rotunde
Ich habe drei Stunden in dem Museum zugebracht und habe jeden einzelnen Raum erforscht. Es tat wunderbar gut sich so in geschichtliche Ereignisse und Fakten vertiefen zu können. :)
Schließlich bin ich zurück nach Hause, habe mich dort ein wenig mit den anderen unterhalten, aber da ich mich mit Bente und ihrer Freundin um 20.30 Uhr vorm Trinity College verabredet hatte und vorher noch was zu Abend essen wollte habe ich mich bald wieder auf den Weg gemacht.
Ich war etwas zu früh am vereinbarten Treffpunkt, aber das machte nichts, denn es gab so viel zu sehen! Für die Studenten war an dem Abend irgendein Ball und daher sah man überall junge Männer in schicken Anzügen und Mädels in hübschen Kleidern rumlaufen. Außerdem hatten sich zwei Jungs und ein Mädel (alle sehr fein angezogen) gaaaanz oben an einem der Türme des Colleges draußen vors Fenster gesetzt und wunken den Leuten unten auf der Kreuzung zu. Ein wenig gefählich sah das schon aus :P Schließlich kam Bente. Ihre Freundin war ein schwedisches Au Pair, ihr Name war Josephine und sie hat mich sooo ungemein an eine Freundin aus Berlin erinnert! Das war unglaublich! xD
Wir sind zu nem Pub und da hab ich mein erstes Guinness überhaupt getrunken. Hat sehr lecker geschmeckt. Ich wollte eigentlich so gegen 24 Uhr nach Hause gehen, weil ich plante am nächsten Morgen früh auzustehen um Howth in Ruhe anzugucken, aber Bente und Josephine haben mich dazu überredet noch mit ihnen Tanzen zu gehen. Wir sind also einmal quer durch Temple Bar durch (das bei Nacht noch viel krasser aussieht, als bei Tag!) und sind schließlich in einem Pub gelandet wo ein DJ auflegte. Es war kostenlos - aber dafür war die Musik crap. Haha Nach ca. einer Stunde sind wir schon wieder gegangen und haben uns auf zur O'Connel Street gemacht um dort im McDoof ein Eis zu essen. :P Und schließlich bin ich um halb drei in der Früh nach einem wunderbaren Tag und einem aufregenden Abend hundemüde ins Bett gefallen ...

Tag 3
...und wurde am Morgen ohne erbarmen von meinem Wecker um 8 Uhr schon wieder aus dem Schlaf gerissen. Nach einer weiteren halben Stunde des vor-mich-hindösens hab ich mich letzendlich aufgerafft und bin aufgestanden und um halb zehn saß ich dann im Bus nach Howth. 50 Minuten hat es gebraucht bis ich am Howth Summit ankam. Ich habe mir den Weg zum Cliff Path gesucht und mir bot sich eine wunderbarer Anblick und eine atemberaubende Aussicht. Da ich so früh da war, war ich beihnahe alleine und das erweckte ein unglaubliches Gefühl der Freiheit und ich stellte mich selbst als einsamen Wolf in dieser vom Wind und Wetter gezeichneten Landschaft vor, frei, allein, ungehemmt - und dann kam ein altes, schnatterndes Ehepaar daher gewandert und zerstörte meine wunderbare Illusion. Also nahm ich meine Kamera zu Hand und versuchte so viel festzuhalten wie ich konnte. Ich kam schließlich an eine Wegkreuzung und entschied mich nach links zu gehen und begann dem Pfad zu folgen...
Mein erster Blick vom Summit aufs Meer
Einsamer Wolf und so ;)
Ja, ich hab mich dann tatsächlich mal zum Rande des Kliffs gewagt (mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch) und einen Blick runter in die Tiefe gewagt ...
... und bin dann ganz schnell wieder diesen Trampelpfad hoch ...
...zum eigentlichen Weg.
2 1/2 Stunden bin ich gewandert ohne zu wissen WOHIN ich eigentlich wandere. Ich habe immer wieder Pausen gemacht, mich auf kleine Bänke gesetzt und gelesen. Mit der Zeit kamen mir immer mehr Leute entgegen, also schlussfolgerte ich, dass ich ja irgendwo rauskommen musste. Und so war es schließlich auch. Ich kam in dem kleinen Dorf Howth raus und da sah ich dann die kleinen Insel und den Hafen, die ich gesehen hatte, als ich mit dem Flugzeug am Donnerstag Morgen angekommen war. Es war sozusagen das erste, was ich von Irland gesehen hatte. Und es war schon aufregend das, was ich erst von hoch oben in der Luft gesehen hatte, jetzt ganz nah zu sehen. Das Dorf war echt süß und man konnte sogar auf der Hafen-
Der Hafen und die kleinen Inseln
mauer entlang wandern, aber mir taten die Füße und der Rücken weh und ich wollte einfach nur was Essen und ausruhen. Hab mich also zu einem Supermarkt durchgefragt und mir es dann auf einer Bank am Hafen gemütlich gemacht. Doch schließlich hab ich mich auf den Rückweg gemacht. Ich hatte erst überlegt ob ich eine andere Route nehmen sollte, doch ich wollte noch mal den Cliff Path entlang, also stand meine Entscheidung fest. Es war ein wunderschöner Tag, doch das anstrengende war, dass einmal manchmal durch die Sonne so warm wurde, dass ich mir nicht schnell genug Jacke und Schal ausziehen konnte und im nächsten Moment kam so eine kalte Windböe daher, dass ich mir genauso schnell beides wieder anzog. Ich hatte es letztendlich zurück zum Summit geschafft, hab dann noch von einem japanischen Päärchen ein Foto gemacht, die sich dann vor Dankbarkeit nicht mehr eingekriegt haben, und hab dann voller Erleichterung gesehen, dass schon ein Bus zurück nach Dublin an der Bushaltestelle stand und ich mich reinsetzten konnte.
Auf der Busfahrt zurück bin ich beinahe eingepennt. Zum Glück hielt der Bus am North Strand, da hatte ich nur einen fünf minütigen Heimweg. Als ich zu Hause war, wollte ich mich eigentlich nur kurz hinlegen - aber sobald ich in der Horizontalen war, war ich weg. Ich hab durchgepennt bis 18 Uhr, aber da die Sonne so wunderbar schien, dachte man, es wäre noch gar nicht so spät. Nach und nach kamen die andern nach Hause und ich erzählte was ich den Tag über so gemacht hatte. Schließlich gab ich mir selbst einen Ruck, zog mir noch mal meine Jacke an und ging ein letztes mal zur O'Connel Street um mir was zu Essen zu kaufen und einen letzten Blick auf Dublin zu werfen. Als ich gegen 21 Uhr zurückkam waren Clare, Johnny und Michael in eine Diskussion über die Occupy Bewegung vertieft und da ich davon nicht wirklich viel mitbekommen hatte, hab ich mich zu Camilla in ihr Zimmer gesetzt und wir haben uns noch schön zwei Stunden unterhalten und festgestellt, dass wir wirklich viel gemeinsam haben. :)
Um Mitternacht lag ich im Bett, mit zwei Weckern für den nächsten Morgen (just in case ... ;) ), gepackter Tasche und einem glücklichen Gefühl im Bauch.

Tag 4
Um 5.35 Uhr rissen mich beide Wecker brav aus dem Schlaf. Aber ich war seltsamer hellwach - obwohl es ein Sonntagmorgen und es für ein Chilly eigentlich viel zu früh am Morgen war um wach zu sein ;) Ich hab mich rasch angezogen, Tasche geschnappt und hab mir dann am North Strand ein Taxi angehalten (oh Gott, war das ein cooles Gefühl den Arm auszustecken und dem Fahrer zu signalisieren, dass er anhalten sollte, hahahaha) und bin zum Flughafen gefahren. Dort habe ich Hannah und Charlie getroffen und zusammen sind wir durch die Security, haben uns bei Starbucks unser Frühstück gekauft und dann gings auch schon zum Gate. Charlie ist echt ein super lieber und daher hatten wir viel Spaß mit ihm, während wir auf das Signal zum Boarding warten mussten. Und finally, wir saßen im Flugzeug und mich überkam doch die Müdigkeit. Der Flug nach London dauert grad mal ne Stunde - und ich bin trotzdem weggepennt. In London angekommen wurde Charlie von Hannahs Gastfamilie abgeholt, aber da die gleich weiter zu nem Rugby Match fahren wollten, hat Hannah sich entschieden mit mir den Zug zu nehmen. Um halb elf war ich dann endlich zu Hause. Halb elf, Sonntag früh. Um die Zeit würde ich normalerweise an solch einem Tag erst aufstehen :P

Es waren 3 (1/2) wunderbare Tage in Dublin, die ich sehr genossen habe. Wir hatten ungemeines Glück mit dem Wetter - wir hatten eigentlich nur Sonnenschein, außer ganz kleinen Schauern, die aber meistens nur ein paar Minuten anhielten. Auch mein erstes Couchsurfing überhaupt war ein tolles Erlebnis und ein großer Erfolg und diese paar Tage aus London rauszukommen hat auch mal wieder gut getan. :)

Nach drei Wochen nicht wirklich regelmäßigem arbeiten (weil die Kinder erst zwei Wochen Ferien hatten - wovon sie für fünf Tage in Madrid waren! :D und ich dann nach Dublin bin), bin ich jetzt wieder in meinem Alltag gelandet. Aber ich habe mein Zimmer und und die Mädels vermisst und das ist eindeutig ein gutes Zeichen. :)
Die Zeit vergeht wie im Fluge. Wir haben schon die letzte Aprilwoche. In zwei Wochen kommt Nuni her (uuuh, ich kann es kaum erwarten!!), in drei Wochen habe ich Geburtstag (oh Gott, ich werd 20 o.O Raus aus den Teens - Neeeeiiiin!), in vier WOchen fahr ich für ein paar Tage nach Edinburgh und dann geht schon der Juni los! AAAAAaah! Alles viel zu schnell, viel zu schnell!!

Ich werde meine restliche Zeit hier noch ordentlich genießen!!
Liebe Grüße an euch alle!
Und viel Glück Lena und Nuni und allen anderen, die gerade Abi schreiben, bei euren Prüfungen!! Ihr schaft das! Fingers crossed und Daumen gedrückt!! ;)

Hab euch lieb!

Chilly

Montag, 16. April 2012

Es duftet nach Frühling

Sooo viel Erlebe ich hier, dass ich gar nicht dazu komme etwas darüber zu schreiben!!!
Ich habe wunderbare Wochenenden mit Freunden: Wir schauen Nick beim Fußballspielen zu, ich spiele selber mindestens einmal am Wochenende Hockey, wir gehen Abends Essen oder in den Club (aber egal was von beiden man macht - oder ob man was völlig anderes macht - man geht vorher IMMER erstmal in den Pub und trinkt ein Bier oder Cider. ), wir treffen uns bei/mit Freunden von Nick, ich geh mit den Mädels aus meinem Hockeyteam auf nen Pub crawl (also die ganze Nacht einfach von Pub zu Pub - vor allem in Central London macht das eine Menge Spaß, wenn man sich von Leicester Square bis Covent Garden durch die Pubs trinkt mit einer Gruppe von 15 Leuten und irgendwann um 3 Uhr morgens total betrunken und hungrig zu viert im McDoof endet, sich vollmampft und dann irgendwie den Weg nach Hause finden muss.) und und und ... Ende Februar hat hier der Frühling angefangen. Ich war total baff, als ich so früh im Jahr schon überall die Kirschbäume blühen gesehen hab! Jetzt sind die Blüten leider alle schon fast weg und werden von dem zarten Grün junger Blätter abgelöst. Alles grünt und blüht jetzt und Ende März hatten wir eine so krass warme Woche, dass man schon in Shorts und T-Shirt rumlaufen konnte und Hannah und ich uns zum Picknick und Sonnen im Park getroffen haben. (Unterhalten wurden wir von einem Schwan, der es sich den ganzen Tag über zur Aufgabe gemacht hat die Gänse von seinem See zu vertreiben. Da seine Strategie aber nicht sehr durchdacht und der Teich sehr groß war, war er immer noch damit beschäftigt als wir gegen fünf nach Hause fuhren. xD )
Ich weiß nicht, ob ich es erzählt habe, aber im Feburar hat die Frau (Charlotte) von James' Bruder (Nick) ein Baby bekommen. Sein Name ist Brody, ein kleiner Rotschopf, so ein süßes Baby!! Und da die in der selben Straße wie wir wohnen, passe ich ab und zu auf Brody auf für ein paar Stunden :)
Mitte März war Iris zu Besuch. Und Anfang April hat auch Nele mich noch einmal besucht :D Da hat sie dann auch Nick, Hannah und ein paar anderer meiner Freunde kennen gelernt.
Besonders die zahlreichen PArks in London sind um diese Jahreszeit wunderbar! Ich war im März zwei- , dreimal im Battersea Park (da sind auch einige meiner Hockeyspiele). Und der St. James's Park ist ja mein absoluter lieblings Park. Dort haben Hannah und ich kurz vor Ostern unsern Egghunt gestartet. Über ganz London waren für zwei Monate von Künstlern gestaltete Eier verteilt und Hannah und ich hatten es uns zur Aufgabe gemacht an einem Tag so viele wie möglich zu finden. Vom St. James's Park, zum Green Park, dann Mayfair, New Bond Street, Oxford Street, Carnaby Street, St. Cristophers Place, Southbank ... Es war ein langer Walk aber wir haben tatsächlich  25 Eier gefunden und manche von denen sind echt wunderschön gestaltet worden! :)
Letzte Woche hat Hannah mir geholfen ein kleines Fotoshoot mit den Mädels zu machen. Die Bilder habe ich verwendet um für James eine Collage zumachen, die ich ihm zum Geburtstag geschenkt habe. :) Er hat sich sehr gefreut!
Ich habe noch so viel anderes  erlebt, so viele kleine Momente, soviele Menschen getroffen - es ist unmöglich alles hier aufzuschreiben! Deswegen lad ich einfach ein paar Bilder hoch und ihr könnt euch selber einen Eindruck machen. Und wenn ihr wollt, könnt ihr gerne zu zwei Songs hören, die ich im Moment sehr mit London verbinde! :)
http://www.youtube.com/watch?v=hnAwPeqrdAk
http://www.youtube.com/watch?v=mkmZBuidJVY

Mit Hannah chillen im Battersea Park
Die Pagoda im Battersea Park
Dieses Ei haben wir vorm Swiss Cottage gefunden
Die fallenden Blüten sahen fast wir Schnee aus. Ein wunderschöner Anblick!
Ja, auch so ein Turibild vorm Buckingham Palace muss mal sein :P
Chillen am See im Wandsworth Common
Und das ist der verrückte Schwan. Seht ihr wie erbarmunglos er die Gans jagt?!
Mit little Brobro im Streatham Common :)
Ein Elephant für Lena :D
Jetzt, wo es wärmer wird, muss ich wieder mit aufs Trampolin :P

Die Narzissen durften zum Frühlingsanfang natürlich nicht fehlen!
Dodger - besonders liebe ich es, wenn er mich um 6.30 in der Früh aufweckt in dem er auf mein Gesicht springt, nur weil er gefüttert werden will...aber ansonsten ist er ein ganz lieber :D
Imperial War Museum
Mit Aristides im Pub
... und das alles haben Hannah und Nick ganz allein getrunken! :P Aristides und ich hatten nur ein, zwei Bier xD
Gestern habe ich meinen Heimflug für Ende Juli gebucht. Da ist mir erst aufgefallen, dass ich schon sieben Monate hier bin - und im Grunde nur noch drei da sein werde :(

Am Donnerstag fliege ich für ein paar Tage nach Dublin! Da freu ich mich schon tierisch drauf! :)
Und im Mai kommt dann meine Nünsi hier her!!

Liebe Grüße aus London!!

Chilly

Mittwoch, 7. März 2012

Gud är Kärlag - God is love

Erinnert ihr euch an meinen Post vom 20.09.11? Darin habe ich euch erstmals von den Mädels aus meinem Englischkurs erzählt. Mit vielen von ihnen stehe ich immer noch in Kontakt und unternehme viel. Wie ihr wisst waren wir 12 Mädchen. Eine davon war eine Schwedin, Kajsa. Ich bin in meinem Blog nie wirklich auf sie eingegangen, hab mich aber immer sehr gut mit ihr verstanden.

Gestern Nachmittag um halb fünf bekam ich eine SMS, die mir mitteilte, dass Kajsa letzten Samstag gestorben ist. Sie war gerade mal 20 Jahre alt. Im ersten Moment konnte ich es gar nicht glauben, dachte sie haben den Namen verwechselt oder sowas, denn Kajsa war immer so lebendig, so voller Freude. Ich hab sofort erstmal Hannah angerufen, die die Nachricht auch schon bekommen hatte. Wir konnten es beide nicht verstehen. Hannah hatte sich schon eine halbe Stunde lang ausgeheult und musste nun die Kinder abholen, ich stand enorm unter Schock - und musste mich zugleich um Felicity kümmern (Lydia war zum Glück bei einer Freundin), musste mir jedes Mal ein Lächeln aufzwingen, wenn ich mit ihr redete.
Für den Abend war um 21 Uhr ein Gedächtnisgottesdienst in einer schwedischen Kirche in Marylebone (central London) geplant, wo auch ihre Familie sein würde.
Ich hab Fiz um 18 Uhr zu Brownies (ihr Pfadfindertreffen) gebracht und hab mich dann direkt auf den Weg zur Bakerstreet gemacht, wo ich mich mit Hannah und Nick getroffen habe. Wir haben was gegessen, aber die Stimmung war gedrückt. Ich glaube wir konnten die Situation noch nicht ganz fassen, schwankten zwischen minutenlangem Schweigen, jeder betrübt vor sich hinstarrend und verschämten Lachen, um alles ein wenig zu überspielen und aufzulockern. Es war schwer.
Um 20.15 haben wir uns mit Trine, Antonia und Ricky, drei anderen Mädchen aus meinem ehemaligen Sprachkurs, getroffen und haben uns auf den Weg zu der schwedischen Kirche gemacht. Keiner von uns konnte es wirklich begreifen, dass wir gerade auf dem Weg zu einer Ceremony für ein Mädchen waren, das genau unser Alter war. Die Kirche lag eingebettet zwischen zwei typisch englischen Häusern in einer typisch englischen Seitenstraße in der Innenstadt. Vor der Tür begrüßten uns Kajsas Eltern, die sofort nach London geflogen waren, nach dem die Nachricht sie erreicht hatte. Ihre Mutter hatte Kajsas Kamera um den Hals und erzählte uns, dass sie alles heute Abend fotografieren wolle, damit sie es nie vergessen würde. Sie umarmten uns beide (doch es fühlte sich mehr an, als würde sie sich trostsuchend an uns festklammern) und sagten mit einem traurigen Lächeln, dass sie heute schon durch alle Stadien gegangen seien: Weinen, Stille, Schreien, Fragen warum.
Die Kirche selber war wunderschön. Man ging ein paar Stufen hoch und trat dann in einen hohen, wunderschön verzierten, alten Raum, in dem Kerzen brannten und leise ABBA-Musik lief. Vor dem Altar war ein kleiner Tisch aufgestellt worden, auf dem ein Foto von Kajsa bei ihrem Abiball stand, und daneben warf ein Beamer Bilder von Kajsa auf eine weiße Leinwand. Der Pfarrer begrüßte uns und wir setzen uns. Wir waren eine halbe Stunde zu früh und hatten so genug Zeit uns die Bilder anzugucken. Es tat in der Seele weh. Nick stellte nach einigen Minuten mit einem traurigen Blick in den Augen fest: "How happy she looks in every single picture." Zum Glück hatte Hannah genug Taschentücher mitgebracht, die Zeremonie hatte noch gar nicht angefangen, da waren wir schon leise am weinen. Jedoch nicht durchgängig. Ich zum Beispiel, schwankte zwischen Phasen des Weinens, wenn mir die Tatsache, dass ich es einfach nicht fassen kann, das sie tot ist, dass ich sie mir nicht mal tot vorstellen kann, allzu bewusst wurde und Phasen des still dasitzens mit trockenen Augen und starrem Blick. 
Die Zeremonie selber war sehr schön, sehr locker gehalten, sehr in Kajsas Style. Sie hätte es gemocht. Der schwedische Priester hat ein paar sehr schöne und berührende Worte gesagt und auch Kajsas Freund hatte ein paar Worte vorbereitet. Zwei Sätze in seiner Rede haben mich besonders berührt. Zu ersteinmal, als er sagte, dass er es nicht fassen könne, das sie so plötzlich gestorben ist. Am Morgen sei noch alles in Ordnung gewesen - und am Abend war sie tot. Zum zweiten das Motto, nach dem Kajsa lebte: Learn as if you were to live forever, live as if you were to die tomorrow. Noch letzte Woche, so sagte er, hatte Kajsa ihm erzählt, dass sie absolut Glücklich ist und sich auf ihre Studienzeit freut.
Hannah und ich haben eine Packung Taschentücher nach der nächsten verbraucht.
Wir haben alle eine Kerze für Kajsa angezündet. Nach dem Offiziellen konnte man etwas über Kajsa in ein Buch für die Familie schreiben (was ich gemacht habe) und es gab Cider und schwedische Chips. Ich hab ein wenig den Gesprächen der Mutter mit anderen Leuten gelauscht. So habe ich erfahren, wie sie reagiert hat, als ihr die Nachricht überbracht wurde, dass ihre Tochter tot ist. Sie sagte, dass sie ein Kissen genommen und sich dahinter versteckt habe, noch während es ihr mitgeteilt wurde. "I know it was childish", sagte sie, "but my first reaction was ignoring it - if I cant hear it, it wont be true. My daughter cant be dead." Es war schrecklich diese Gespräche mit anzuhören. Kajsas Mutter ging sehr gut mit der Situation um, hatte ein tapferes Lächeln auf den Lippen, fragte jeden nach den Erinnerungen an ihre Tochter, lachte über die lustigen Geschichten und sang mit den Liedern mit (vor allem das von ABBA: Schoolbag in hand, she leaves home in the early morning.
Waving goodbye with an absent-minded smile ...Slipping through my fingers all the time
I try to capture every minute the feeling in it ...sooo traurig :( ). Der Vater hatte für jeden ein Lächeln bereit und dankte jedem fürs Kommen, es tat ihm sichtlich gut zu sehen, dass Kajsa so viele Freunde in London gefunden hatte. Der Bruder hat nicht viel gesagt, hat die meiste Zeit nur vor sich hingestart. Ich glaube, er hatte den Schock noch immer nicht so richtig verarbeitet.
Der Moment, der mich am meisten berührte/schockte/zum weinen brachte war kurz bevor wir gehen wollten. Ein Freund von Kajsa hatte ein paar Wochen zuvor ein kleines Video von Kajsa und ihrem Freund in der Tube aufgenommen, in dem sie sich einen Song ausdachten und viel lachten. Wir mussten alle nach vorne zum Laptop gehen, da wir sonst nicht hätten hören können. Und so saßen wir dort alle eng beieinander und schauten Kajsa reden, lachen und singen - und am Ende den Mittelfinger in die Kamera strecken, was für ein trauriges Gelächter sorgte. Und in der Stille danach passierte es: Kajsas Mutter brach zusammen unter ihrer Trauer. Sie saß auf dem Boden und stieß heißerne Rufe aus, erst auf schwedisch, zwischendurch auf englisch, dass sie ihre Tochter zurück möchte. Das Kajsa nicht tot sein kann, dass sie sie hier bei sich haben möchte. Ihr Wehklagen klang gespenstig durch den ansonsten stillen Raum, niemand wusste, was er tun oder sagen sollte, man starrte nur vor sich hin (ich hatte angefangen still zu weinen und mir kommen selbst jetzt, wo ich das hier tippe und mich an den Moment erinnern muss, die Tränen in die Augen.) Es war so ein unrealer Moment, auf den man so gar nicht vorbereitet war. Der Schmerz der Mutter traf einen mitten ins Herz, es war dieser eine Moment wo ihre perfekte Maske zerbrach, die sie sich wahrscheinlich mühevoll aufgebaut hatte um diese schweren Tage zu überstehen, und ihre gesamte Trauer kam zum Vorschein. Schließlch nahm der Vater sie in den Arm und half ihr auf. Sie beruhigte sich so schnell wieder, wie es begonnen hatte und setzte sich auf die Kirchenbank neben ihren Sohn um das Video noch ein zweites Mal anzuschauen und lachte, als Kajsa lachte."Ah, her laughter...", hab ich sie mit einem traurigen Lächeln murmeln hören.

Es war eine wirklich bewegende Zeremonie, doch zu dem Zeitpunkt wusste wir noch nicht, woran oder wie Kajsa eigentlich gestorben war. Das war ein Punkt, der das alles noch umso schlimmer und unverständlicher machte. Gestern ging das Gerücht um, es wäre eine Grippe gewesen, doch niemand wusste es wirklich - und die Eltern wollten wir nun auch nicht so direkt fragen. Mein erster Gedanke, als ich hörte, dass sie tot war, war, dass sie einen Fahrradunfall oder so etwas ähnliches hatte. Das wäre eine Todesursache, die in London typisch wäre.
Heute hat ihre Tante auf Kajsas facebook Seite gepostet, dass Kajsa an einer Lungenentzündung gestorben ist. Unglaublich. Dass heutzutage noch Menschen an so etwas sterben müssen! Angeblich hatte sie ihre Erkrankung ernst genommen und war am Morgen ins Krankenhaus gegangen, da es ihr Nachmittags wieder besser ging, hatten die Ärzte sie nach Hause geschickt. Am Abend hat ihr roommate Kajsa tot im Bett aufgefunden. Schrecklich. Ungerecht.

Ich werde Kajsa nie vergessen, ihre Heiterkeit und ihre Liebe zum Leben. Sie wird in den nächsten Tagen rüber nach Schweden geflogen und dort beerdigt. Ich hoffe ihre Familie wird die schwere Zeit überstehen.

In Erinnerung an Kajsa Karlsson. Möge sie in Frieden Ruhen.



Sonntag, 5. Februar 2012

Singing in the snow

Das Leben tröpfelt so vor sich hin, und was für mich nun schon Alltag ist, ist für euch nach wie vor von  Interesse. Also werde ich versuchen mich an meine Alltagserlebnisse zu erinnern (was überraschender Weise recht schwer ist ...).
Zwei Themen liegen mir diese Woche besonders am Herzen: Der Winter und Hockey. Ja, zwei Themen, von denen man es vielleicht nicht gedacht hätte, da wir Deutschen so schlau sind und im Winter Hallenhockey spielen. Als ich meinen Teamkameradinnen erklärte, dass unsere Feldsaison im August losgeht, von Oktober bis April eine Pause macht und wir während dieser Zeit eine richtige Hallenhockeysaison haben, und die Feldsaison dann im April weiter geht bis Juni/Juli und sie dann gefragt habe, warum sie im Winter nicht einfach drinnen spielen, da war die trockene Antwort: "We're asking ourselves that question EVERY winter."
Letztes Wochenende, als der Kontinent schon Minusgrade auszuhalten hatte, wurde es langsam kühl in London. An dem Samstag hatte ich ein Spiel und es war während der Halbzeitpause sooooo bitterkalt. Aber - ich habe ein Tor geschossen! :D Und zwar das Siegestor. Wir haben nämlich 1:0 gewonnen. Während der Woche wurde es immer kälter und kälter und selbst Lydia, der normalerweise nie kalt ist und die selbst bei 8°C ohne Jacke zur Schule ist, musste kleinlaut gestehen, dass ihr nun doch kalt sei und zog dankbar Mütze und Handschuhe an. Nichtsdestotrotz waren die Tage wunderschön. Gerade wegen der Kälte, da der Himmel strahlend blau war und die Sonne durchweg schien. Am Donnerstag aber machte sich die Kälte bemerkbar: Mein Hockeytraining fiel aus. Und ich fürchtete schon, dass das Spiel am Samstag auch abgesagt werden würde. Aber nein, zum Glück wurde es das nicht. Es war jedoch einer der kältesten Tage dieser Woche und schon auf dem Weg nach Barnes, wo wir spielen sollten, hab ich mir fast alles abgefroren. Es ist wirklich verrückt im Januar draußen Hockey zu spielen!! Als wir ankamen waren alle dick eingepackt in Schals, Jacken, Mützen, Handschuhen und Stirnbändern. Maddy, mein Captain sah aus, als wäre sie mit Zwillingen schwanger, weil sie sich zwei Wärmflaschen unter den Pullover gestopft hatte. Der einzige Grund, weshalb wir spielen konnten, war, dass der Platz in Barnes ein Sandplatz war. Alle anderen Spiele an diesem Wochenende sind ausgefallen, weil die Wasserrasen gefroren waren. Neben der Kälte hatten wir aber noch ein zweites Problem: Der schreckliche Verkehr in Wandsworth hatte unsere Torhüterin fest im Griff und so mussten wir ohne jemandem im Tor anfangen zu spielen. Überraschender Weise haben wir gleich in den ersten fünf Minuten ein Tor geschossen. Doch leider zog die gegnerische Mannschaft bald darauf Vorteil aus unserem fehlenden Torwart und schoss zwei Gegentore. Dann endlich, nach zwanzig Minuten ohne Torwart, konnten wir aufatmen, weil unsere Torfrau es endlich zum Platz geschafft hatte. Ab da war das Spiel wieder fair und letztendlich gewannen wir wohlverdient 3:2.
Anschließend ging es zum Club der Barnes Ladies und es gab heißen Tea und was warmes zu Essen. Das ist auch sowas, was ich hier total toll finde: Die gastgebende Mannschaft stellt meistens im Clubhaus Essen und Trinken nach dem Spiel zu Verfügung und dann sitzt man da und unterhällt sich schön.
Eine aus meinem Team hat mir dann einen lift nach Hause gegeben. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Ruten - und wir haben uns für die Falsche entschieden... Eine geschlagene Stunde standen wir in Wandsworth Town im Stau, manchmal kamen wir für ganze 10 Minuten keinen einzigen Zemtimeter voran!! Und ich musste um sieben zu Hause sein zum Babysitten!!! (Was ist das nur mit mir und dem Babysitten? Ich muss so selten Samstag Abends auf die Kinder aufpassen, aber wenn ich es muss, dann hab ich immer Probleme mit dem Verkehr und komme erst auf die letzte Minute nach Hause.)  Ich wurde auf jeden Fall immer hibbeliger und fragte Katie (das Mädchen, das mich mitgenommen hatte) alle fünf Minuten, ob sie sich sicher sei, dass wir es auch bis sieben nach Hause schaffen würden. Sie meinte Ja und es fing an zu schneien. 18.30 und wir waren gerade mal in Clapham Common. Und Katie meinte immer noch, ja, wir würden rechtzeitig da sein und der Schnee wurde mehr.18.40 waren wir in Tulse Hill, wo Katie wohnt, von da brauche ich zu Fuß ungefähr eine halbe Stunde nach Hause. Ich meine Sachen geschnappt, ein kurzes Tschüss und Dankeschön für Katie und dann bin ich losgerannt, die Straße und die Gewege sahen da schon wie mit Puderzucker bestreut aus. Das blöde war, dass ich schon ein 70 Minütiges Hockeyspiel in den Beinen hatte. Ich hab mich also entschieden den Bus für drei Stationen zu nehmen (glücklicherweise kam gerade einer). An West Norwood Station bin ich raus (weil der blöde Bus nicht bis zur Bus Garage gefahren ist, von wo aus es kürzer nach Hause gewesen wäre für mich) und dann den Berg hoch nach Hause gerannt. Ich hatte zehn Minuten um diesen (in dem Moment) verhassten Berg hochzurennen. Es war scheiße kalt, es schneite schwer, die Straßen waren super glatt, meine Beine schmerzten und ich bekam Seitenstechen - kurzum, es waren zehn Minuten, die man sehr gerne sehr schnell wieder vergisst. Ich habe es aber tatsächlich geschafft um Punkt sieben Uhr zu Hause zu sein (hach, da war meine deutsche Angst vor Unpünktlichkeit wieder beruihgt ;) ). Mein Abendbrot wartete zum Glück schon im Ofen auf mich und ich hatte sogar noch eine viertel Stunde um mich ein wenig umzuziehen und zu essen. Dann sind James und Louise gegangen (auf Grund des Schnees - der jetzt nicht wirklich dramatisch war - meinten sie, dass es vielleicht sein könnte, dass sie heut Nacht nicht mehr zurückkommen, sondern bei ihren Freunden übernachten.) und ich habe mich mit den Kindern vor den Fernseher gepackt- mir tat ALLES weh. Zum Glück waren die Mädels super lieb! Wie schon am Anfang der Woche, als ich Babysitten musste, sind beide mustergültig mit mir hochgegangen, haben sich Bettfertig gemacht, ich habe ihnen was vorgelesen,habe ihnen ihre CD angemacht und dann sind sie eingeschlafen. Zuerst Lydia und eine halbe Stunde Fiz. Um 21.15 konnte ich endlich hoch in mein Zimmer und habe erst mal schön geduscht. Dann in warmen, angenehme Sachen, danach runter, um das Licht in Fiz's Zimmer auszuschalten und dann in die Küche, eine heiße Schokolade machen. Oh das hat gut geduftet. Ab in die Lounge, Fernseher an, Feuer an, Kakao trinken und einfach nur entspannen.
Von dem ganzen Tag war ich ziemlich geschafft und deswegen bin ich gegen halb elf schon hoch und lag gegen 11 im Bett. Ich war mir jedoch nicht hundertprozent sicher, ob ich das Feuer ganz ausgemacht hatte. Und nach einigem Ringen mit meinem inneren Schweinehund, der einfach nur liegen bleiben wollte, habe ich mich doch noch einmal aufgerafft und bin runter in die Lounge um nach dem Feuer zu sehen. Natürlich war es aus. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich noch mal runter gegangen bin, denn ich bin dann ans Fenster getreten und habe einen Blick raus auf die Straße geworfen: Alles weiß! Selbst die Straße, weil so spät ja nicht sehr viele Autos fuhren. Und es schneite immer noch. Das verschneite London sieht so anders aus - so viel hübscher und friedlicher. Nicht ganz so hektisch.
Ich konnte nicht an mich halten, bin hochgerannt, hab meine Kamera geschnappt, hab eine Jacke über meinen Schlafanzug gezogen, Schuhe und Mütze an - und raus in den Schnee. Niemand war da und der Schnee knirschte so herrlich! Es war einfach wunderbar, da ganz allein, mitten auf dieser zugeschneiten Londoner Straße zu stehen. Und der Schnee fiel so friedlich und still.
Der Blick aus dem Fenster, als ich nach dem Feuer gesehen hab.
Unsere zugeschneite Straße
Unser Haus mittendrin im Schneefall
Ach, das Törchen neben mir sah einfach bezaubernd!
Leider war es sehr sehr kalt und schon bald fingen meine Finger an zu frieren. Als ich schließlich wieder ins dunkle und stille Haus bin (die Mädels schliefen wie Engel) und in meinem warmen Bett lag, habe ich mich rundum glücklich gefühlt. Meiner Meinung nach, ist Schnee eines der schönsten Naturphenomäne, das die Erde zu bieten hat. :)

Glücklicherweise war ich am Freitag mit Hannah nach Stratford zum neuen Westfield gefahren um mal wieder ordentlich shoppen zu gehen. Ich hatte erstaunlicherweise 80 Pfund über und ja, ich höre schon einige von euch sagen "Man hätte es doch sparen können!". Keine Sorge, ich spare schon, lege jede Woche 20 Pfund meines Gehaltes beseite, damit ich noch schön viel von England, Wales und Schottland sehen kann. Aber am letzten Freitag musste ich einfach shoppen gehen. Ich war schon ewig nicht mehr ordentlich einkaufen gewesen - und ein Frau braucht das, wie die Luft zum Atmen. ;)
Jedenfalls habe bei dieser Gelegenheit ein Paar schöner Winterstiefel gefunden (meine eigentlichen wunderschönen Winterstiefel aus Deutschland sind leider kaputt gegangen :( Ich hab sie so geliebt, aber jetzt können sie sprechen und seitdem find ich sie nicht mehr so toll xD). Aber wirklich, was für ein Glück, dass ich einen Tag, bevor es angefangen hat zu schneien, Winterschuhe gefunden habe! Ich habe auch vieles andere gekauft, aber das behalt ich lieber für mich ;)

---Toll, dank der ganzen Tipperei habe ich meine Tasse Tee vergessen und jetzt ist er kalt!! Menno...---

Während der Woche mache ich generell nicht sehr viel. Ich radel ein oder zweimal zu Hannah nach Wandsworth oder sie kommt zu mir. Aber die meiste Zeit bin ich zu Hause. Die Sache ist, dass man sich bei dem momentanen Wetter einfach zu nichts aufraffen kann. Ich hoffe das wird sich ändern, wenn der Frühling dann endlich kommt. :P

Oh, heute ist etwas passiert, was mal wieder perfekt gezeigt hat, wie Geschwister so sind: Lydia und Fiz spielen normalerweise NIE miteinander oder machen überhaupt irgendwas zusammen (außer Fernsehn schauen) und falls sie mal miteinander spielen, dann endet es irgendwann in viel Geschrei und Tränen. Auf Grund des Schnees haben die beiden heute viel Zeit im Garten verbracht. Irgendwann habe ich rausgeschaut und habe die beiden gemeinsam auf der Mauer rumklettern sehen, die die verschiedenen Gärten verbindet und sie waren schon auf der Mauer, die zum Garten uns gegenüber gehört. Ich meinte zu Louise "They're not supposed to climb on these walls, are they?!" Und natürlich waren sie das nicht. Aber sie haben es gemeinsam gemacht und wie Louise später dann so treffend meinte: "They never ever do anything together except it's something naughty!" Ach ja, Geschwister. Laura und ich waren ja nie so :P (Nebenbei gesagt, als wir Fiz später gefragt haben, was sie sich dabei gedacht hat, meinte sie unverblümt "Es war Lydias Idee. Ich bin nur raufgeklettert um zu sehen, was sie macht." Ja klar, Fiz xD)

So. Das waren sie mal wieder - ein paar Ausschnitte aus meinem Leben hier. :) Ich werd jetzt noch meine kalte Tasse Tee trinken.

Liebe Grüße aus dem verschneiten London an euch alle!

Eure Chilly