Zwei Themen liegen mir diese Woche besonders am Herzen: Der Winter und Hockey. Ja, zwei Themen, von denen man es vielleicht nicht gedacht hätte, da wir Deutschen so schlau sind und im Winter Hallenhockey spielen. Als ich meinen Teamkameradinnen erklärte, dass unsere Feldsaison im August losgeht, von Oktober bis April eine Pause macht und wir während dieser Zeit eine richtige Hallenhockeysaison haben, und die Feldsaison dann im April weiter geht bis Juni/Juli und sie dann gefragt habe, warum sie im Winter nicht einfach drinnen spielen, da war die trockene Antwort: "We're asking ourselves that question EVERY winter."
Letztes Wochenende, als der Kontinent schon Minusgrade auszuhalten hatte, wurde es langsam kühl in London. An dem Samstag hatte ich ein Spiel und es war während der Halbzeitpause sooooo bitterkalt. Aber - ich habe ein Tor geschossen! :D Und zwar das Siegestor. Wir haben nämlich 1:0 gewonnen. Während der Woche wurde es immer kälter und kälter und selbst Lydia, der normalerweise nie kalt ist und die selbst bei 8°C ohne Jacke zur Schule ist, musste kleinlaut gestehen, dass ihr nun doch kalt sei und zog dankbar Mütze und Handschuhe an. Nichtsdestotrotz waren die Tage wunderschön. Gerade wegen der Kälte, da der Himmel strahlend blau war und die Sonne durchweg schien. Am Donnerstag aber machte sich die Kälte bemerkbar: Mein Hockeytraining fiel aus. Und ich fürchtete schon, dass das Spiel am Samstag auch abgesagt werden würde. Aber nein, zum Glück wurde es das nicht. Es war jedoch einer der kältesten Tage dieser Woche und schon auf dem Weg nach Barnes, wo wir spielen sollten, hab ich mir fast alles abgefroren. Es ist wirklich verrückt im Januar draußen Hockey zu spielen!! Als wir ankamen waren alle dick eingepackt in Schals, Jacken, Mützen, Handschuhen und Stirnbändern. Maddy, mein Captain sah aus, als wäre sie mit Zwillingen schwanger, weil sie sich zwei Wärmflaschen unter den Pullover gestopft hatte. Der einzige Grund, weshalb wir spielen konnten, war, dass der Platz in Barnes ein Sandplatz war. Alle anderen Spiele an diesem Wochenende sind ausgefallen, weil die Wasserrasen gefroren waren. Neben der Kälte hatten wir aber noch ein zweites Problem: Der schreckliche Verkehr in Wandsworth hatte unsere Torhüterin fest im Griff und so mussten wir ohne jemandem im Tor anfangen zu spielen. Überraschender Weise haben wir gleich in den ersten fünf Minuten ein Tor geschossen. Doch leider zog die gegnerische Mannschaft bald darauf Vorteil aus unserem fehlenden Torwart und schoss zwei Gegentore. Dann endlich, nach zwanzig Minuten ohne Torwart, konnten wir aufatmen, weil unsere Torfrau es endlich zum Platz geschafft hatte. Ab da war das Spiel wieder fair und letztendlich gewannen wir wohlverdient 3:2.
Anschließend ging es zum Club der Barnes Ladies und es gab heißen Tea und was warmes zu Essen. Das ist auch sowas, was ich hier total toll finde: Die gastgebende Mannschaft stellt meistens im Clubhaus Essen und Trinken nach dem Spiel zu Verfügung und dann sitzt man da und unterhällt sich schön.
Eine aus meinem Team hat mir dann einen lift nach Hause gegeben. Wir hatten die Wahl zwischen zwei Ruten - und wir haben uns für die Falsche entschieden... Eine geschlagene Stunde standen wir in Wandsworth Town im Stau, manchmal kamen wir für ganze 10 Minuten keinen einzigen Zemtimeter voran!! Und ich musste um sieben zu Hause sein zum Babysitten!!! (Was ist das nur mit mir und dem Babysitten? Ich muss so selten Samstag Abends auf die Kinder aufpassen, aber wenn ich es muss, dann hab ich immer Probleme mit dem Verkehr und komme erst auf die letzte Minute nach Hause.) Ich wurde auf jeden Fall immer hibbeliger und fragte Katie (das Mädchen, das mich mitgenommen hatte) alle fünf Minuten, ob sie sich sicher sei, dass wir es auch bis sieben nach Hause schaffen würden. Sie meinte Ja und es fing an zu schneien. 18.30 und wir waren gerade mal in Clapham Common. Und Katie meinte immer noch, ja, wir würden rechtzeitig da sein und der Schnee wurde mehr.18.40 waren wir in Tulse Hill, wo Katie wohnt, von da brauche ich zu Fuß ungefähr eine halbe Stunde nach Hause. Ich meine Sachen geschnappt, ein kurzes Tschüss und Dankeschön für Katie und dann bin ich losgerannt, die Straße und die Gewege sahen da schon wie mit Puderzucker bestreut aus. Das blöde war, dass ich schon ein 70 Minütiges Hockeyspiel in den Beinen hatte. Ich hab mich also entschieden den Bus für drei Stationen zu nehmen (glücklicherweise kam gerade einer). An West Norwood Station bin ich raus (weil der blöde Bus nicht bis zur Bus Garage gefahren ist, von wo aus es kürzer nach Hause gewesen wäre für mich) und dann den Berg hoch nach Hause gerannt. Ich hatte zehn Minuten um diesen (in dem Moment) verhassten Berg hochzurennen. Es war scheiße kalt, es schneite schwer, die Straßen waren super glatt, meine Beine schmerzten und ich bekam Seitenstechen - kurzum, es waren zehn Minuten, die man sehr gerne sehr schnell wieder vergisst. Ich habe es aber tatsächlich geschafft um Punkt sieben Uhr zu Hause zu sein (hach, da war meine deutsche Angst vor Unpünktlichkeit wieder beruihgt ;) ). Mein Abendbrot wartete zum Glück schon im Ofen auf mich und ich hatte sogar noch eine viertel Stunde um mich ein wenig umzuziehen und zu essen. Dann sind James und Louise gegangen (auf Grund des Schnees - der jetzt nicht wirklich dramatisch war - meinten sie, dass es vielleicht sein könnte, dass sie heut Nacht nicht mehr zurückkommen, sondern bei ihren Freunden übernachten.) und ich habe mich mit den Kindern vor den Fernseher gepackt- mir tat ALLES weh. Zum Glück waren die Mädels super lieb! Wie schon am Anfang der Woche, als ich Babysitten musste, sind beide mustergültig mit mir hochgegangen, haben sich Bettfertig gemacht, ich habe ihnen was vorgelesen,habe ihnen ihre CD angemacht und dann sind sie eingeschlafen. Zuerst Lydia und eine halbe Stunde Fiz. Um 21.15 konnte ich endlich hoch in mein Zimmer und habe erst mal schön geduscht. Dann in warmen, angenehme Sachen, danach runter, um das Licht in Fiz's Zimmer auszuschalten und dann in die Küche, eine heiße Schokolade machen. Oh das hat gut geduftet. Ab in die Lounge, Fernseher an, Feuer an, Kakao trinken und einfach nur entspannen.
Von dem ganzen Tag war ich ziemlich geschafft und deswegen bin ich gegen halb elf schon hoch und lag gegen 11 im Bett. Ich war mir jedoch nicht hundertprozent sicher, ob ich das Feuer ganz ausgemacht hatte. Und nach einigem Ringen mit meinem inneren Schweinehund, der einfach nur liegen bleiben wollte, habe ich mich doch noch einmal aufgerafft und bin runter in die Lounge um nach dem Feuer zu sehen. Natürlich war es aus. Aber ich bin trotzdem froh, dass ich noch mal runter gegangen bin, denn ich bin dann ans Fenster getreten und habe einen Blick raus auf die Straße geworfen: Alles weiß! Selbst die Straße, weil so spät ja nicht sehr viele Autos fuhren. Und es schneite immer noch. Das verschneite London sieht so anders aus - so viel hübscher und friedlicher. Nicht ganz so hektisch.
Ich konnte nicht an mich halten, bin hochgerannt, hab meine Kamera geschnappt, hab eine Jacke über meinen Schlafanzug gezogen, Schuhe und Mütze an - und raus in den Schnee. Niemand war da und der Schnee knirschte so herrlich! Es war einfach wunderbar, da ganz allein, mitten auf dieser zugeschneiten Londoner Straße zu stehen. Und der Schnee fiel so friedlich und still.
| Der Blick aus dem Fenster, als ich nach dem Feuer gesehen hab. |
| Unsere zugeschneite Straße |
| Unser Haus mittendrin im Schneefall |
| Ach, das Törchen neben mir sah einfach bezaubernd! |
Glücklicherweise war ich am Freitag mit Hannah nach Stratford zum neuen Westfield gefahren um mal wieder ordentlich shoppen zu gehen. Ich hatte erstaunlicherweise 80 Pfund über und ja, ich höre schon einige von euch sagen "Man hätte es doch sparen können!". Keine Sorge, ich spare schon, lege jede Woche 20 Pfund meines Gehaltes beseite, damit ich noch schön viel von England, Wales und Schottland sehen kann. Aber am letzten Freitag musste ich einfach shoppen gehen. Ich war schon ewig nicht mehr ordentlich einkaufen gewesen - und ein Frau braucht das, wie die Luft zum Atmen. ;)
Jedenfalls habe bei dieser Gelegenheit ein Paar schöner Winterstiefel gefunden (meine eigentlichen wunderschönen Winterstiefel aus Deutschland sind leider kaputt gegangen :( Ich hab sie so geliebt, aber jetzt können sie sprechen und seitdem find ich sie nicht mehr so toll xD). Aber wirklich, was für ein Glück, dass ich einen Tag, bevor es angefangen hat zu schneien, Winterschuhe gefunden habe! Ich habe auch vieles andere gekauft, aber das behalt ich lieber für mich ;)
---Toll, dank der ganzen Tipperei habe ich meine Tasse Tee vergessen und jetzt ist er kalt!! Menno...---
Während der Woche mache ich generell nicht sehr viel. Ich radel ein oder zweimal zu Hannah nach Wandsworth oder sie kommt zu mir. Aber die meiste Zeit bin ich zu Hause. Die Sache ist, dass man sich bei dem momentanen Wetter einfach zu nichts aufraffen kann. Ich hoffe das wird sich ändern, wenn der Frühling dann endlich kommt. :P
Oh, heute ist etwas passiert, was mal wieder perfekt gezeigt hat, wie Geschwister so sind: Lydia und Fiz spielen normalerweise NIE miteinander oder machen überhaupt irgendwas zusammen (außer Fernsehn schauen) und falls sie mal miteinander spielen, dann endet es irgendwann in viel Geschrei und Tränen. Auf Grund des Schnees haben die beiden heute viel Zeit im Garten verbracht. Irgendwann habe ich rausgeschaut und habe die beiden gemeinsam auf der Mauer rumklettern sehen, die die verschiedenen Gärten verbindet und sie waren schon auf der Mauer, die zum Garten uns gegenüber gehört. Ich meinte zu Louise "They're not supposed to climb on these walls, are they?!" Und natürlich waren sie das nicht. Aber sie haben es gemeinsam gemacht und wie Louise später dann so treffend meinte: "They never ever do anything together except it's something naughty!" Ach ja, Geschwister. Laura und ich waren ja nie so :P (Nebenbei gesagt, als wir Fiz später gefragt haben, was sie sich dabei gedacht hat, meinte sie unverblümt "Es war Lydias Idee. Ich bin nur raufgeklettert um zu sehen, was sie macht." Ja klar, Fiz xD)
So. Das waren sie mal wieder - ein paar Ausschnitte aus meinem Leben hier. :) Ich werd jetzt noch meine kalte Tasse Tee trinken.
Liebe Grüße aus dem verschneiten London an euch alle!
Eure Chilly